Transhumanismus 2: Mensch und Tier

Auf den ersten Blick erscheint der Transhumanismus als eine dieser typischen Ideologien des 20. Jahrhunderts – wie der Faschismus, der mit seiner Idee des (arischen) Übermenschen durchaus einige Parallelen aufweist. Bei genauerer Betrachtung ist die Idee der Verschmelzung zwischen Menschen und anderen, mächtigeren Wesen jedoch deutlich älter. In den Mythologien der Antike – von Babylon über Ägypten bis ins klassische Griechenland – finden sich zahlreiche Beispiele für hybride Wesen mit übermenschlichen Kräften. Der Halbgott Herkules ist das vielleicht bekannteste Beispiel. Noch deutlich älter sind die ganz praktischen Formen der Verschmelzung von Menschen mit mächtigen Wesen – wir finden sie seit prähistorischen Zeiten und vereinzelt noch bis heute in schamanisch geprägten Kulturen. Hier geht es einerseits um die Verbindung zwischen Menschen und handlungsmächtigen Naturgeistern, andererseits aber auch um die temporäre Verwandlung magisch begabter Individuen in Tierwesen. Das bekannteste Beispiel hierfür sind wahrscheinlich die Skinwalker Nordamerikas. Ähnliche Vorstellungen (und vielleicht auch Praxisformen) finden sich in zahlreichen Kulturen überall auf der Welt. Mit dieser Verwandlung wie auch durch die Verschmelzung mit Naturgeistern erlangen die Betreffenden Fähigkeiten, die über das übliche menschliche Maß hinausreichen. Aus einer solchen Perspektive ist der Trans-Humanismus keinesfalls neu, sondern vielmehr uralt. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass es heute bevorzuegt technische Applikationen sind, die zu übermenschlichen Fertigkeiten führen. Klar ist, dass dies nur eine Dimension des modischen Transhumanismus ist. Neben der Verschmelzung zwischen Mensch und Maschine werden auch andere Formen der Fortentwicklung (eben: fort vom Humanismus) des Menschen angedacht – etwa die Steigerung mentaler Kräfte durch Substanzen oder meditationsartige Praktiken. Diese Seite des Transhumanismus ist allerdings lichtbildnerisch nur schwer zugänglich. Ich konzentriere mich hier deshalb auf die uralten und nun wieder brandneuen Verschmelzungsphantasien. Im heutigen Beitrag stehen dabei Mischwesen zwischen Mensch und Tier im Mittelpunkt.

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Der Bärenöter

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Die fleißige Biene Maya (Dank an Michael und Maike für das Ausgangsbild)

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Wo geht’s lang? (Unschöne Alternative: Der Weg zum Schlachthof)

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Meine kleine Amöbe

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Nur die Liebe zählt (für Natja)

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Ruraler Transhumanismus (in ostfälischer Traditionskonstruktion)

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Bild oben: Transhumanes Puzzle

Auch hier gilt wieder: Eine KI war an der Bildenstehung nicht beteiligt.

Heute statt Musik ein Buchtipp: Gerhard Mayer (2003): Schamanismus in Deutschland. Ergon-Verlag.

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