Abstrakte Erotik – Teil 1: Programmatik

Fünf Thesen zum Programm der Abstrakten Erotik

(1) Bilder nackter Körper und ihres Zusammenspiels sind in den sozialen Netzwerken omnipräsent. Den Blick abzuwenden, ist unmöglich geworden. Dies hat zur De-Erotisierung des Körpers geführt: Seltene Kostbarkeit wird in wertlose Selbstverständlichkeit verwandelt – die erotische Sonderwelt („Der heilige Eros“ bei Georges Bataille) verwandelt sich zunehmend in profane Alltagswelt.

(2) Die Aufdeckung jedes korporalen Geheimnisses vollendet das Programm der sexuellen Aufklärung, trägt allerdings auch zur Auslöschung des erotischen Körpers bei, weil es jede Notwendigkeit der Imagination zerstört. Wenn alles sichtbar ist, bleibt nichts mehr vorzustellen.

(3) Das fotografische Programm der Abstrakten Erotik arbeitet dem entgegen: Anschauung wird durch Imagination, äußerlicher Schein durch innerliche Reflexion ersetzt. Bestenfalls wird die erotische Qualität des menschlichen Körpers durch dessen radikale Dekonstruktion wieder hergestellt.

(4) Allerdings stellt das Programm der Abstrakten Erotik eine fatale Strategie im Sinne Baudrillards dar: eine Dissimulation des erotischen Körpers, die immer auch als ihr Gegenteil missverstanden werden kann.

(5) Bestenfalls nimmt die erotischen Sonderwelt durch die Dekonstruktion jedoch wieder Gestalt an – in diesem Falle darf einmal gelten: Nur das Abstrakte ist wirklich konkret.

Hier einige Bildbeispiele: 


Erotische Signalstörung

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Feministische Orgie

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Im Lichtbad

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Männlicher Akt

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Multipler Orgasmus

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Mumpf

Bild oben: Extrakorporale Ejakulation [siehe den Literaturhinweis,S. 54)

Anstelle eines Musikvorschlags heute ein Literturhinweis: Lautmann/Schetsche: Das pornographierte Begehren. Frankfurt/Main: Campus 1990.

 

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