Der Beitragstitel nimmt die Bezeichnung des Zyklus auf, an dem ich seit Jahresbeginn arbeite. Die Bilder machen in der Zusammenschau schnell klar, wie die Serie optisch funktioniert: Den schon vorher stark bearbeiteten Bildern (meist weibliche Halbakte) sind rhizomartige Linien hinzugefügt, die den Eindruck erwecken, die Körper würden sich mäandernd in den umgebenden Raum hinaus ausbreiten, sich vielleicht sogar in ihm verlieren. Diese Linien sind durch einen Algorithmus eingefügt. Viele von ihnen wirken kontingent … und sind dies überwiegend auch, da winzige Unterschiede im Ausgangsbild sich durch die Art der Bearbeitung unerwartbar anhäufen, ja multiplizieren. Bevor das Bild fertig ist, vermag ich selbst nicht genau zu sagen, wie das Endergebnis aussehen wird. Also auch für mich: Bilder mit Überraschungseffekt. Vor diesem Hintergrund scheint die Bezeichnung des Zyklus kontrafaktisch. Dies gilt allerdings nur dann, wenn es darum ginge auf diese Weise den menschlichen Körper zu vermessen. Das ist hier jedoch nicht gemeint. Vielmehr wird anders herum die Silhouette des menschlichen Körper dazu benutzt, den umgebenden, zunächst leeren Raum vermessend zu okkupieren. Dies entspricht dem Prozess, in dem bei der unten empfohlenen Musik von Avishai Cohen die von den Instrumenten ausgehenden Schallwellen die Stille des umgebenden Raums in Besitz nehmen. Daher diese besondere Musikempfehlung. Die hier beschriebene Idee einer Vermessung des Raums durch Körperbilder ist eher abstrakt – damit korrespondiert, dass die Bilder der Serie formalistisch benannt sind. Das muss auf Dauer nicht so bleiben, scheint mir momentan aber passend.
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Vermessung C7
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Vermessung F2
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Vermessung A6
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Vermessung U1
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Vermessung P6
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Vermessung J5
Bild oben: Vermessung A5
Musik zu den Bildern: Avishai Cohen: Into the Silence (2016) [Ich danke Natja von O., die mir diese CD empfohlen hatte.]
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