Vor einiger Zeit hatte ich über ein wissenschaftlich-künstlerisches Kooperationsprojekt zum Thema „Körper in Ekstase“ berichtet. In den letzten 12 Monate hatte ich versucht, mich diesem Thema auf verschiedenen Wegen fotografisch anzunähern. Hilfreich war dabei auch das wissenschaftliche Verständnis des Phänomens:
- „Denn tatsächlich manifestiert sich zumindest die Ekstase im engeren Sinne im Spannungsfeld zwischen überbordendem Glücksgefühl, sexueller Erregtheit sowie dem Zugang zur Großen Transzendenz. Es handelt sich in der Wahrnehmung des Subjekts um ein Verschmelzen dreier tief empfundener Gefühlslagen: verzückt, entrückt, beglückt. […]Vielfach beschrieben findet sich diese Form in der Antike, namentlich bei den dionysischen Kulten. Im Mittelalter werden solche Erfahrungen vielen christlichen Mystikern und Mystikerinnen zugeschrieben, volksnäher finden sie sich in den Epidemien der „Tanzwut“. Und in der Gegenwart entdecken wir die Ekstase nicht nur in neureligiösen Bewegungen, sondern auch im charismatischen Protestantismus.“
[Schmidt/Schetsche: Verzückt, entrückt, beglückt – Ekstase in der Moderne. In: Bernt Schnettler u.a. (Hrsg.): Kleines Al(e)phabet des Kommunikativen Konstruktivismus. Wiesbaden: Springer VS]
Ich habe versucht mich an dieser theoretischen und historischen Kontur des Begriffs zu orientieren. Dabei hat sich gezeigt, dass in der fotografischen Situation sinnlich-erotische Ausdrucksformen des Körpers relativ gut herzustellen sind, sich eine spirituelle Dimension aber umso schwerer ‚auf Kommando’ einstellen mag. Und ob das Ganze dann noch zu „überbordenden Glücksgefühlen“ führt, ist eine ganz andere Frage. So bleibt es vorerst bei einigen lichtbildnerischen Annäherungen. Möglicherweise sind hier auch gänzlich andere fotografische Rahmenbedingungen gefragt. Dem gehe gegenwärtige gerade mit meinen künstlerischen Mitteln nach – sehr experimentell, manchmal auch exzeptionell – allerdings noch nicht immer so ekstatisch, wie es im Kontext dieses Projekts nötig wäre. Hier sind wir möglicherweise einem grundsätzliches Problem jeder ‚ekstatischen Fotografie’ konfrontiert; dazu später einmal mehr. Hier aber zunächst jene ersten Annäherungen – und ein älteres Bild, das mir gut zum Thema zu passen scheint.
Mein Dank gilt den experimentierfreudigen Modellen: Andrea, Ceren, Claudia und Milan.





