Projekt: Körper in Ekstase

Kürzlich waren befreundete Wissenschaftler an mich herangetreten und hatten gefragt, ob ich Interesse hätte, die fotografische Dokumentation für ein Forschungsprojekt zum Thema, „Körper in Ekstase“ (so lese ich es jedenfalls) zu übernehmen. Auf diese Idee für diese Kooperation hatte sie offenbar mein Bild Tanztrance 2 gebracht, das ich für eine von ihnen herausgegebene Anthologie (Rausch – Trance – Ekstase) gleichsam ausgeliehen hatte. Ich hatte im letzten Jahr an dieser Stelle schon einmal darüber berichtet.

Für das geplante Projekt wurde mir ein Exposés übermittelt – ich gebe an dieser Stelle nur zwei kurze Auszüge daraus wieder… alles andere würde den hier geltenden den künstlerischen Rahmen sprengen:

Kulturhistorisch betrachtet ist die Ekstase meist ein psychophysiologischer Zustand an der Grenze zwischen religiösem und sexuellem Empfinden. Wir wollen dies als ‚klassische Form’ der Ekstase bezeichnen. Vielfach beschrieben findet diese Form sich in der Antike, namentlich bei den dionysischen Kulten. Im Europa des Mittelalters werden entsprechende Erfahrungen vielen christlichen Mystikern und Mystikerinnen zugeschrieben, volksnäher finden sie sich in den Epidemien der so genannten „Tanzwut“. Und in der Gegenwart sind solche Formen nicht nur in neureligiösen Bewegungen  sondern insbesondere auch im charismatischen Protestantismus vorzufinden. Über die innigliche Verbindung zwischen religiösem und sexuellem Empfinden legen etwa die heute wieder viel zitierten Werke der Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1207-1282) Zeugnis ab. Die nicht nur dort vorfindbare enge und körperlich ganz unmittelbare Verbindung zwischen Eros und Glauben ist wohl einer der Gründe, warum die Ekstase in der modernen Gesellschaft eher mit Argwohn betrachtet wird.

[…]

Die Ekstase war von diesem kulturellen Transformationsprozess aus zwei Gründen besonders betroffen: Zum einen erschien die Gefahr des nach Außen hin unübersehbaren Kontrollverlusts bei ekstatischen Praktiken (etwa verglichen mit der Trance) besonders groß, und zum anderen war der Konnex zwischen Bewusstseinsveränderung und erotischen Strebungen unübersehbar. Da Erotik – später durch Freuds Sexualitätskonzept in seiner Unheimlichkeit noch einmal mythisch überhöht – seit Beginn der modernen Gesellschaft als besonders riskante menschliche ‚Eigenheit’ erschien , geriet sie sehr früh in den Fokus religiöser und staatlicher Kontrollmaßnahmen. Die Angst vor der Ekstase verfolgt uns, gedanklich allerdings meist auf leiblich-profane Ausdrucksformen reduziert, bis in die Mitte des 20. Jahrhundert hinein als geradezu prototypisches Risiko des Kontrollverlusts in der bürgerlichen Gesellschaft.

(Projekt-Exposé „Ekstase in der Moderne“, Febr. 2018)

Was hier genau zu ‚dokumentieren’ ist und was für Bilder von mir erwartet werden, weiß ich auch noch nicht. Ich selbst denke spontan an Arbeiten wie „Außer Kontrolle“ (oben) aus dem vergangenen Jahr. Doch ob wir hier wirklich zusammenkommen, wird sich erst noch zeigen müssen. Auf jeden Fall: ein spannendes Kooperationsprojekt.

Wer an irgendeiner Art der Mitwirkung (vor der Kamera) interessiert ist, möge sich melden: kunst@kytoml.de